Fahrbetrieb

Die Pferdebahn fährt an den öffentlichen Fahrtagen, also am ersten Sonnabend des Monats von Mai bis Oktober. Außerdem gibt es Sonderfahrten nach vertraglicher Vereinbarung an anderen Tagen.

Der eingesetzte Wagen war ursprünglich kein Pferdebahnwagen, sondern der Triebwagen 1 der Straßenbahn Meißen. Er wurde 1898 bei der Waggonfabrik Gottfried Lindner in Ammendorf bei Halle gebaut. Damit ist er nur sechs Jahre jünger als die ersten Pferdebahnwagen in Döbeln, und vom Wagenkasten her grundsätzlich sehr ähnlich. Als der Personenverkehr der Meißner Straßenbahn 1936 eingestellt wurde, verkaufte man die Wagenkästen (ohne Fahrgestelle, Motoren usw.) an private Interessenten. Der Triebwagen 1 und ein Beiwagen gelangten in das Dorf Keilbusch nördlich von Meißen. Dort diente er noch bis 2002 als Hühnerstall. Nachdem wir uns mit der Eigentümerin einig werden konnten, bargen wir den Wagenkasten 2003.

Wagenkasten des früheren Triebwagens 1 als Hühnerstall in Meißen

Im Sächsischen Fortbildungs- und Umschulungsweg in Dresden wurde er restauriert. Das Fahrgestell des Wagens musste neu gebaut werden. Dabei wurde Wert auf niedrige Bauweise und geringes Gewicht gelegt, denn in den ersten Monaten des Pferdebahnbetriebs mussten wir den Wagen noch mit einem Autrotransportwagen vom Abstellort zur Strecke fahren und eingleisen. Nach der Fahrt ging das ganze wieder zurück.

Seit Ende 2009 ist der Wagen in der Wagenhalle untergebracht, die Bestandteil des Pferdebahnmuseums ist.

Das Zugpferd kommt von einem Vereinsmitglied, der im Döbelner Vorort Ebersbach einen Kutscherhof betreibt. Von dort kommt das Zugpferd bei anstehenden Fahrten in einem Pferdeanhänger zum Einsatz gefahren und danach wieder zurück in den heimatlichen Stall. Wie beim historischen Vorbild der „alten“ Döbelner Pferdebahn wird einspännig gefahren. Wie ein Gutachten ergab, ist das beim geringen Gewicht des Wagens und der meist ebenen Strecke völlig ausreichend.

Die Strecke ist etwa 750 m lang. Sie führt vom Pferdebahnmuseum durch die Theaterstraße, dann durch die Bahnhofstraße zum Niedermarkt und weiter durch die schmale Bäckerstraße auf den Obermarkt. Dort fährt die Bahn am Rathaus mit dem davor stehenden Schlegelbrunnen vorbei und endet vor dem Alten Amtshaus. Diese Strecke deckt sich also nur teilweise mit der historischen Trasse. Am Alten Amtshaus wird das Pferd umgespannt, und die Fahrt geht auf dem selben Wege zurück. Eine Fahrt dauert einschließlich Umspannen etwa 20 bis 25 Minuten.

Die jetzt liegenden Schienen sind gebrauchte Straßenbahnschienen aus Chemnitz, Cottbus und Leipzig. Von der alten Straßenbahn lagen zwar auf dem Obermarkt noch einige Meter Gleis, doch war dieses nicht mehr verwendbar, denn Döbeln war bereits mehrfach durch Hochwasser betroffen.

An Fahrtagen bzw. Tagen mit Sonderfahrten werden von uns an kritischen Stellen Poller und Absperrungen aufgestellt, damit das Gleis nicht durch parkende Autos blockiert wird. Mitunter hilft aber selbst das nicht. Eine verkehrstechnisch schwierige Stellen ist die Kreuzung an der Johannisstraße, wo eine Lichtsignalanlage den von der Brücke kommenden Autos ein Haltsignal zeigt, wenn sich die Pferdebahn nähert. An der Kreuzung am Theater muss ein Posten den Autoverkehr in die Theaterstraße stoppen, wenn aus Richtung Museum die Bahn kommt und dabei entgegen der Einbahnstraße fährt.

Elko (links) und Kutscher Mario Lommatzsch (rechts)